Hilft eine Logopädische Behandlung gegen Schnarchen?

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Im Rahmen einer Bachelorarbeit wurde Thema der Auswirkungen eines myofunktionellen Eigentrainings auf logopädische und schlafmedizinische Parameter bei erwachsenen Schlafapnoe-Patienten untersucht.

Thema der Bachelorarbeit: Auswirkungen eines myofunktionellen Eigentrainings auf logopädische und schlafmedizinische Parameter beierwachsenen Schlafapnoe- Patienten – eine experimentelle multiple Einzelfallstudie.

Hintergrund:

Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) stellt eine hochprävalente Erkrankung mit schwerwiegenden gesundheitlichen Konsequenzen dar (vgl. RKI 2005:15; AASM 2001:54; DGSM 2017:11). Das Krankheitsbild ist durch nächtliche Atemaussetzer gekennzeichnet, die als Folge einer Erschlaffung der Muskulatur der oberen Atemwege entstehen (vgl. RKI 2005:16). Externe Evidenzen weisen darauf hin, dass sich myofunktionelle Übungen positiv auf die Symptomatik von Schlafapnoe-Patienten auswirken können (vgl. Camacho et al. 2015).
Im vorliegenden Forschungsprojekt wurden die Auswirkungen eines zweiwöchigen myofunktionellen Eigentrainings von Zunge und Velum (MET) auf logopädische, subjektive und schlafmedizinische Parameter bei zwei erwachsenen Schlafapnoe-Patienten untersucht.

Methode:

Es wurde eine experimentelle multiple Einzelfallstudie in einem Vorher-NachherDesign durchgeführt. Eine vorangestellte interventionsfreie Phase diente als Vergleich. Die Studienteilnehmer waren 42 Jahre (Proband X) und 67 Jahre (Proband Y). Der Body-Mass-Index (BMI) von Proband X betrug 33,7 kg/m2 und von Proband Y 24,9 kg/m2. Eine ambulante Polygraphie (PG) wurde für die Erhebung der schlafmedizinischen Parameter (prozentualer Schnarch-Anteil, Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI), durchschnittliche Sauerstoffsättigung (SpO2), minimale Sauerstoffsättigung) eingesetzt. Die subjektiven Parameter  (Tagesschläfrigkeit und Schlafqualität) wurden anhand der Epworth Sleepiness Scale (ESS) (Johns 1991b) und dem Schlafqualitäts-Fragebogen (PSQI) (Buysse et al. 1989b) erhoben. Die logopädischen Parameter wurden mithilfe des Berliner orofazialen Screenings (BoS) (Pollex-Fischer u. Rohrbach 2017) und der Untersuchung des Gaumensegels aus der Frenchay Dysarthrie Untersuchung (Enderby 1991) erfasst. Die Interventionsmethode stellte ein myofunktionelles Eigentraining für Zunge und Velum (MET) dar.

Nach der Intervention wurde das MET wurde von den Studienteilnehmern in Bezug auf die Alltagsintegrierbarkeit, Motivation und Umsetzung anhand eines Fragebogens evaluiert.

Ergebnisse:

Die ambulante PG ergab eine Reduzierung des AHI um 67,7% bei Proband X und um 15,96% bei Proband Y. Der Schnarch-Anteil reduzierte sich bei Proband X um 4,8 Prozentpunkte (PP). Bei Proband Y erhöhte sich dieser um 19,3 PP. Die durchschnittliche SpO2 verringerte sich bei Proband X um 0,9 PP. Bei Proband Y erhöhte sich diese um 0,1 PP. Die minimale SpO2 verringerte sich bei Proband X um 2 PP. Bei Proband Y erhöhte sich diese um 6 PP.
Die Tagesschläfrigkeit und die Schlafqualität verschlechterten sich bei Proband X, während sich diese bei Proband Y verbesserten. Bei beiden Studienteilnehmern verbesserten sich die orofazialen Funktionen in Bezug auf die Koordination (Lippen, Wange, Zunge) und die Kraft (Zunge). Die Gaumensegelüberprüfung war unauffällig und die Messungen des Nackenumfangs waren stets gleichbleibend. Die Studienteilnehmer gaben an, dass das MET ziemlich gut in den Alltag integrierbar ist. Die Umsetzung und die Motivation für das MET wurden ebenfalls gut bewertet.

Schlussfolgerungen:

Beide Probanden wiesen nach dem MET einen deutlich reduzierten AHI auf. Die Ergebnisse der weiteren schlafmedizinischen Parameter sind im intra- und interindividuellen Vergleich sehr variabel und divergent. Nach dem MET zeigten die Probanden Verbesserungen in den orofazialen Funktionen in Bezug auf Kraft und Koordination auf. Die Gaumensegelbewegung und -funktion sowie der Nackenumfang blieben unverändert. Logopädische Auffälligkeiten des orofazialen Systems blieben nach dem MET weiterhin bestehen. Die Ergebnisse der subjektiven Parameter sind im interindividuellen Vergleich konträr. Aufgrund von veränderte Bedingungen der Schlafhygiene bei Proband X, kann diesbezüglich keine verlässliche Aussage erfolgen. Das MET wurde von beiden Studienteilnehmern in Bezug auf die Alltagsintegrierbarkeit, Motivation und Umsetzung positiv bewertet.

Nachweis: Ergotherapie-Logopädie-Physiotherapie (ELP) B. Sc.  in Osnabrück

Diplomandin: Ingrid Bauer

Erscheinungsdatum: 2018

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